Elliot Rodger und sein Missbrauch im feministischen Mainstream

Elliot Rodger (22) hat im kalifornischen Santa Barbara sechs Menschen getötet. Nach einem Amoklauf, bei dem er erst Mitbewohner erstach und anschließend aus dem fahrenden Auto auf Menschen schoß, lieferte er sich einen Schusswechsel mit der Polizei und prallte letztlich auf ein anderes Auto. Ob Rodger an einer Polizeikugel starb oder sich selbst richtete, ist noch nicht bekannt.

Ich erhielt diese Nachricht zuerst von einem meiner Kontakte aus Übersee, welcher auch sogleich darauf hinwies, dass dieser Vorfall bereits von FeministInnen in Nordamerika für eine weitere Schmutzkampagne missbraucht wird, um – mal wieder – Männerrechtler mit Rechtsextremen, Psychopathen und Amokläufern in einen Sack zu stecken und somit die Verteufelung aller Männerrechtler voranzutreiben.

Es dauerte keine 24 Stunden, bis der Vorfall nun auch in deutschsprachigen Medien angekommen war und auch hier in den Artikeln der Täter als Frauenhasser bezeichnet wird, was die Feministinnen hierzulande ebenso in Verzückung versetzt, dass sie wieder gegen Männerrechtler wettern können.  Dabei frage ich mich, wo genau Elliot Rodger ein Mänerrechtler (MRA) gewesen sein soll:

  • Schrieb oder sprach er jemals über Feminismus oder äußerte er Kritik am Feminismus?
  • Hat er sich gegen die medizinisch nicht notwendige Beschneidungen von Jungen eingesetzt?
  • Hat er sich für das Aufbrechen von Geschlechterrollen auch für Männer engagiert?
  • Wollte er das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in den heutigen veränderten Zeiten neu gestalten?
  • Wollte er sich verstärkt für Väterrechte und die Rechte von Kindern aus Trennungsfamilien einsetzen?
  • Hat er sich an der schlechteren Gesundheitsversorgung und kürzeren Lebenserwartung von Männern gestört?
  • Hat er die stark asymmetrische Verteilung von Hilfsorganisationen und Hilfen für Männer und Frauen in schwierigen Lebenslagen / Krisen beklagt?
  • etc. etc. etc

Nein, von alledem findet sich in dem sogenannten Manifest von Elliot Rodger nichts, auch nicht in seinen Videos. Vorwiegend findet man darin eine Sammlung seiner zahlreichen Frustrationen und Situationen, die er als frustrierend erlebt haben muss. In Videos zu einem englischsprachigen Artikel erzählt Rodgers von den Frustrationen mit Mädchen in seinem jungen Leben, dass er mit 22 Jahren noch Jungfrau sei, er noch nicht einmal ein Mädchen geküsst hatte und immer nur zurückgewiesen worden war. Er spricht von einem Leben „in Einsamkeit, Ablehnung und unerfüllten Verlangen“, er sich gar unsichtbar gefühlt hatte, während die Mädchen irgendwelchen anderen Jungs nachgelaufen seien, die seiner Meinung nach nicht annähernd so „toll“ sind wie er seien – er bezeichnet sich u.a. als „true alpha-male“. Leider macht Rodgers seinen vermeintlichen Alpha-Status vorrangig an materiellen Dingen wie seinem BMW oder seiner Armani-Sonnenbrille fest anstatt an seinem Wesen, seiner Persönlichkeit, seinen Stärken, empathischen und liebenswerten Eigenschaften als Mensch und junger Mann.

Elliot Rodgers ist so im Laufe der Jahre offenbar in eine Spirale von Frustration, Agression und Depression geraten, die ihn letztlich zum Amokläufer werden ließ. Deutlich wird eine massive Diskrepanz zwischen seinem Selbstbild als „true alpha-male“ und dem Bild, das andere von ihm wahrgenommen haben. Rodgers kommt offenbar aus einer wohlhabenden Familie, erlebte aber offenbar die Scheidung seiner Eltern mit. Sein Vater Peter Rodger war demnach Regieassistent des Films „The Hunger Games“ (Die Tribute von Panem) und teilte mit, dass Elliot am Asperger-Syndrom gelitten habe und bei mehreren Ärzten in Behandlung gewesen sei. Sollte er mit Psychopharmaka behandelt worden sein, so könnten neben den Symptomen seiner Erkrankung auch Nebenwirkungen dieser Medikamente eine Rolle gespielt haben. Ritalin wurde ja auch in den USA zuerst in Massen verschrieben, bevor die AD(H)S- und Ritalin-Welle auch nach Europa schwappte. Generell wird in den USA recht bedenkenlos mit Psychopharmaka hantiert, was nicht zuletzt am Erfolg des als Glückspille angepriesenen Prozac ablesbar ist.

Die Eltern von Elliot Rodger sollen geschieden gewesen sein, so dass ein weiterer Aspekt auch das Fehlen einer Vaterfigur und eines tauglichen männlichen Vorbilds sein könnte. Zuletzt soll er sich an eine Pickup-Agentur gewandt haben, um dort zu lernen, wie er leichter an Mädchen rankommt, worin er wohl den primären Grund für seine Frustrationen und Leiden sah. Gerüchteweise soll er dabei an eine von einer Frau geleiteten Agentur geraten sein, die ihm für unbrauchbare Ratschläge sein Geld abgeknöpft haben soll. Daraufhin hat er sich wohl sehr unzufrieden auf der Website PuaHate.com geäußert, die aktuell nicht mehr erreichbar ist.

Ich frage mich schon lange, was diese Pickup Artist-Szene für einen Sinn haben soll, ist doch das vorrangige Ziel offenbar, Frauen so zu manipulieren, dass sie möglichst schnell mit einem ins Bett gehen. Was diese zweifelhafte Szene mit Männerrechten zu tun haben soll, hat sich mir nie erschlossen. Für mich ist ein Ziel des Maskulismus, die Beziehungen zwischen Männern und Frauen mit gegenseitiger Offenheit, Ehrlichkeit, gegenseitigem Respekt, gleicher Augenhöhe und mit gleichen Rechten und Pflichten für alle Beteiligten fair neu zu gestalten. Wie da eine zweifelhafte Szene offenbar primär unterleibsgesteuerter Gestalten reinpassen soll, die eine Möchtegern-Wissenschaft daraus machen, wie man mit mehr oder weniger subtilen Manipulationen und Tricks möglichst viele Frauen möglichst schnell ins Bett bekommt, erschließt sich mir in diesem Kontext nicht. Ich halte diese Verquickung für prolematisch bis idiotisch und für den Maskulismus eher schädlich.

Bevor der Vorwurf kommt: Ich will Elliot Rodger in keinster Weise exkulpieren oder andere für seine Taten verantwortlich machen. Mir liegt aber an einem ausgewogenen und möglichst umfassenden Bild des Vorfalls und der Entwicklung des Täters bis zur eigentlichen Tat. Wer versteht, welche Entwicklungen in der Persönlichkeit und insbesondere in der Jugend solcher Amokläufer zu ihren Taten führt, kann weitere verhindern und mögliche gesellschaftliche Missstände korrigieren, die diese Entwicklungen begünstigen. Denn es ist wesentlich zu kurz gegriffen, jetzt nur wieder die liberalen Waffengesetze in den USA anzuprangern oder gar wahrheitswidrig zu behaupten, Rodger sei von Männerrechtlern und deren Elaboraten zu seiner Tat angestiftet worden. Wer so argumentiert, hat ein sehr einfaches, wenn nicht gar mechanistisches Weltbild, das komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Individuum und Umwelt nicht einmal annähernd erfassen kann.

Unter dem Strich bleibt der Schluß, dass im Falle von Elliot Rodger eine Kombination aus zahlreichen Faktoren wirkte, sei es die Scheidung der Eltern und das Fehlen eines männlichens Rollenvorbildes, sein Asperger Syndrom samt möglicher Medikamente und deren Nebenwirkungen sowie natürlich jede Menge Fälle der gescheiterten Kommunikation und Interaktion des Täters mit seinem familiären und gesellschaftlichen Umfeld. Und sicher gibt es noch weitere Faktoren, die (noch) nicht in den Medien kursieren. Das ändert aber nichts daran, dass mir Elliot Rodger trotz seiner Taten menschlich leid tut. Er hat nicht nur andere Leben genommen, sondern auch sein junges Leben weggeworfen, weil er offenbar als Freak oder Einzelgänger galt und keinen Anschluss gefunden hatte. Ich bin mir sicher, schon nur ein echter Freund oder eine existierende Hilfsorganisation, die sich auch an Jungen und junge Männer richtet, hätte diesen Amoklauf verhindern können.

Wer also diese Tat richtig einordnen und weitere Tagen verhindern will, der sollte gerade nicht – wie es die FemnistInnen jetzt  tun – zur weiteren Hatz gegen Männerrechtler blasen, sondern sich vielmehr einmal fragen, ob diese nicht in vielen Punkten einfach Recht haben. Zum Beispiel damit, dass Jungen und junge Männer auch in Scheidungsfamilien neben der Mutter ebenso den Vater als männliches Rollenmodell und Vorbild brauchen. Damit, dass Jungen im heutigen Bildungssystem benachteiligt werden. Oder damit, dass auch das Netz an Hilfen und Hilfsorganisationen für Jungen und junge Männer in schwierigen Lebenslagen enger geknüpft gehört, damit sie nicht über Jahre hinweg unbeachtet durch alle Maschen fallen, bevor sie irgendwann nur noch mit einem lauten Knall und Toten auf sich aufmerksam machen.

Es ist an der Zeit, dass Eltern und Gesellschaft ihre Augen und Ohren auch verstärkt auf die Jungen richten, ihnen zuhören, mit ihnen sprechen und ihnen bei Problemen gleichwertige Hilfen anbieten wie den Mädchen. Gerade die Lebensphase zwischen Pubertät und Adoleszenz ist mir so vielen Fallstricken unterschiedlichster Art – gerade im zwischenmenschlichen Bereich – gespickt, dass auch die Jungen in diesem Alter unserer Aufmerksamkeit bedürfen. Wenn sich jemand immer mehr abkapselt, stärkere Wesensänderungen zeigt und zum Einzelgänger wird, dann mag das in den meisten Fällen vorbergehend unproblematisch und nur eine Phase sein. Halten solche Veränderungen aber über Monate oder Jahre an, dann sollten wir alle aufmerksam und wachsam sein, diesen jungen Menschen zuhören und in ein erwachsenes, eigenständiges Leben helfen – unabängig vom Geschlecht.

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13 Gedanken zu „Elliot Rodger und sein Missbrauch im feministischen Mainstream

  1. peloquinful

    Gutes Statement, dem ich zustimme auch wenn ich mich nicht als „Maskulist“ bezeichnen würde.

    „Schrieb oder sprach er jemals über Feminismus oder äußerte er Kritik am Feminismus?
    Hat er sich gegen die medizinisch nicht notwendige Beschneidungen von Jungen eingesetzt?
    Hat er sich für das Aufbrechen von Geschlechterrollen auch für Männer engagiert?
    Wollte er das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in den heutigen veränderten Zeiten neu gestalten?
    Wollte er sich verstärkt für Väterrechte und die Rechte von Kindern aus Trennungsfamilien einsetzen?
    Hat er sich an der schlechteren Gesundheitsversorgung und kürzeren Lebenserwartung von Männern gestört?
    Hat er die stark asymmetrische Verteilung von Hilfsorganisationen und Hilfen für Männer und Frauen in schwierigen Lebenslagen / Krisen beklagt
    etc. etc. etc“

    Nein, um was es wirklich geht ist recht schnell klar, zbsp. bei einer Netzfeministischen Überschrift wie dieser:

    “Schach Matt! Hehe!”

    Der sicherlich wiederlichste Text den ich seit langer Zeit gelesen habe! Ein Rumpelstilzchen-artiger Freudentanz um Feminismus, Manifeste und resultierendes Opferbashing. Hier kann man nur noch mit dem Kopf schütteln…

  2. peloquinful

    Klar, wenn du dir das antun möchtest:

    http:// onyxgedankensalat. wordpress.com /2014/05/25/schach-matt-hehe/

    Willkommen!

    Danke, straight for the win…! =)

    1. maennerstreik Autor

      Danke!
      Tante Google hatte es auch schon und ich frage mich echt, wie man derartig frenetisch den Tod mehrerer junger Menschen feiern kann. Ist das die große feministische Empathie, von der die immer reden?

  3. peloquinful

    Eher ein „sich suhlen in rechthaberei“ mit dem vollkommen irrsinnigen Vergleich zu einem „Manifest“ in dem natürlich nix von dem steht was du aufgelistet hast.
    Es geht simpel um Beschuss à la „Maskuline Muskelspiele“ etc.

    1. maennerstreik Autor

      Natürlich geht es darum. Lustig ist aber, dass diese Trulla eine der Feministinnen ist, die von den sogenannten „Gemäßigten“ als eine der „Feministinnen zum miteinander reden“ präsentiert wird. Also mit der würde ich aktuell und auch sonst – aus Gründen wie diesem Artikel von ihr – nur in der Form „reden“, dass ich ihr ins Gesicht spucke. Unsäglich…

  4. Pingback: Feministische Empathie im Fall Elliot Rodger | Männerstreik

  5. Pingback: Der Frauenhasser | emannzer

  6. Pingback: Elliot Rodger | Alles Evolution

  7. Pingback: Amerikanische Feministinnen wollen Männerrechtler als “terroristische Gruppierung” klassifizieren lassen | Männerstreik

  8. FloMa (@superflo777)

    Nein, Männerrechtler nach deiner Definition war er wohl wirklich keiner, allerdings gefällt mir deine Definition auch um einiges besser als die, die ich generell von der „MRA“ Bewegung kenne. Der Typ hatte massive psychische Probleme und das war wohl der Hauptgrund für seine Taten, wenn er jetzt kurzfristig eine Freundin hätte, würde es ihm wahrscheinlich auch nicht viel besser gehen. Feminismus hat er aber laut einigen seiner Aussagen im Internet schon gehasst, was ich ironisch finde, weil Feminismus ja im Idealfall bedeutet, dass Frauen auch selbst aktiv werden und auf Männer zugehen.

    1. maennerstreik Autor

      Natürlich hatte der Typ viele Probleme, sei es die Scheidung der Eltern, vielleicht auch Eifersucht auf seinen kleinen Bruder, Abneigung gegen die Mutter (die vielleicht den kleinen Bruder mehr betüddelt halt) und eben die Sache mit seinem Asperger-Syndrom, keinen echten Anschluss und keine Freundin zu finden. Wobei ich letzteres noch fast für lächerlich halte, es gibt nämlich für alles im Leben seine Zeit, beim einen früher, beim anderen später. Auch sein materialistisches Getue wird ihm nicht gerade Freunde gemacht haben zusammen mit seiner Poserei. Ich schrieb schon andernorts, er häte sich besser irgendwo wohltätig engagiert, sei es für Obdachlose, Tiere oder alte / behinderte Menschen. Da hätte er Menschen getroffen, die ihn für sein Tun geschätzt und hinter die Fassade geschaut hätten. Ich denke, dass er ein ganz schön einsamer und verzweifelter Typ war.

      Für mich war Elliot Rodger einfach nur ein junger Mann, der von seinen Eltern, anderen Jungs und eben Mädchen gemocht oder zumindest akzeptiert werden sollte, mehr nicht. Es wirft ein bestimmtes Licht auf die amerikanische Gesellschaft, wenn dort junge Menschen solche Basics nicht erhalten und das bis zu einer Frustration, die in solchen Taten mündet.

      Ich las irgendwo, dass die meisten Amokläufer und Massenmörder in der Regel Männer gewesen seien und bleiben werden. Der Grund liegt auf der Hand: Bei Mädchen schauen alle genauer hin, die Eltern, die Gesellschaft, die Lehrer, einfach alle. Als Mädchen wäre Rodger vermutlich schon geholfen worden, bevor er in seinen Teufelskreis der Gedanken geraten ist. Aber so war es eben „nur“ ein junger Mann, die sind ja austauschbar, das kennen wir ja schon von der Army. Und die Feministinnen betreiben zwecks Beatmung und Nährung ihrer scheintoten, widerlichen Hassideologie nun lustvoll Leichenfledderei. Du kennst den Spruch mit dem Essen und dem K*tzen…

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