Zitat des Tages

Auch die Häßliche verzichtet trotz ihres Erfolges nie ganz auf ihren weiblichen Sonderstatus und erwartet mit größter Selbstverständlichkeit, daß ihre Umwelt sie – „als Frau, die erfolgreich war“ – wie eine Art Weltwunder betrachtet. Es ist fast obszön, wie sehr gerade diese Frau immer ihre „Weiblichkeit“ herausstreicht. Sie produziert sich vor Presse und Fernsehen, wann immer es geht, läßt ihren schwabbeligen Busen über ihre große Schreibtischplatte hängen und klagt, wie schwer gerade sie, „als Frau“, es in ihrer hohen Position habe.

Wie dem auch sei, im Vergleich zur landläufigen Ausbeuterin ist sie einigermaßen respektabel. Daß sie zu ihrer Respektabilität gezwungen wird – man braucht ihr nur ins Gesicht zu sehen, um zu wissen, warum sie so gescheit ist – , ist eine andere Sache. Denn Häßlichkeit ist natürlich kein persönliches Verdienst.

Esther Vilar, Der dressierte Mann

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